October 30, 2026

Postaday

Tagesnotizen und Schmankerl auf dem Weg

Warum man anderswo im Herbst unzählige kleine Lichter anzündet

Ein Essay über Diwali, das indische Lichterfest: Öllampen aus Ton, bunte Rangolis, Süßigkeiten für die Nachbarn und Licht, das man teilt.
Comic-Illustration: fröhliche indische Familie legt vor der Haustür ein buntes Rangoli, umgeben von leuchtenden Diya-Öllampen und Ringelblumengirlanden

Wenn bei uns die Tage kürzer werden und die ersten Novemberabende früh dunkel sind, beginnt in Indien und in vielen indischen Familien auf der ganzen Welt die hellste Zeit des Jahres. Diwali, das Lichterfest, verwandelt Häuser, Balkone und ganze Straßenzüge in ein Meer aus kleinen Flammen. Für Außenstehende wirkt es wie ein Feuerwerk der Freude, und genau das ist es auch.

Kleine Lampen, große Bedeutung

Im Mittelpunkt stehen die Diyas, kleine Öllampen aus gebranntem Ton. Sie werden mit Öl gefüllt, mit einem Baumwolldocht versehen und auf Fensterbänke, Treppenstufen und Hauseingänge gestellt. Das Licht soll die Dunkelheit vertreiben, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Diwali feiert den Sieg des Guten über das Böse und des Wissens über die Unwissenheit. Viele Familien glauben außerdem, dass die Göttin Lakshmi, die für Wohlstand und Glück steht, besonders gern in helle, saubere Häuser einkehrt.

Putzen, schmücken, vorbereiten

Deshalb beginnt das Fest lange vor dem eigentlichen Abend. Häuser werden gründlich geputzt, manchmal frisch gestrichen, und neue Kleidung wird gekauft. Vor der Haustür entstehen Rangolis, farbenprächtige Muster aus Farbpulver, Reis oder Blütenblättern. Oft arbeiten Kinder, Eltern und Großeltern gemeinsam daran, kniend auf dem Boden, mit viel Geduld und Lachen. Ein Rangoli ist nicht für die Ewigkeit gemacht, aber es heißt Gäste und Glück willkommen.

Süßes für alle

Zu Diwali gehört ein Berg an Süßigkeiten. Laddus, Barfi, Jalebi und viele regionale Spezialitäten werden zu Hause zubereitet oder beim Lieblingskonditor gekauft. Doch man isst sie nicht nur selbst: Man verschenkt sie. Nachbarn, Freunde, Kollegen und Verwandte bekommen kleine Schachteln voller Leckereien. So wird das Fest zu einer Kette aus Besuchen und Gegenbesuchen, bei denen man gemeinsam Tee trinkt und die Neuigkeiten des Jahres teilt.

Ein Fest der Gemeinschaft

Was an Diwali besonders berührt, ist das Gefühl, dass ein ganzes Viertel gemeinsam feiert. Wer abends durch die Straßen geht, sieht Lichterketten an jedem Haus, hört Musik und Kinderlachen und wird nicht selten spontan zu einer Süßigkeit eingeladen. Auch in Städten wie London, Toronto oder Singapur, wo große indische Gemeinschaften leben, feiern inzwischen viele Menschen anderer Herkunft mit.

Was wir davon mitnehmen können

Vielleicht ist Diwali eine schöne Einladung für unsere eigenen dunklen Herbstwochen. Ein paar Lichter ins Fenster stellen, die Wohnung bewusst schön machen, den Nachbarn etwas Selbstgebackenes vorbeibringen: Das alles braucht keinen großen Anlass. Diwali zeigt, dass Licht am stärksten wirkt, wenn man es teilt. Und dass die dunkle Jahreszeit erstaunlich hell werden kann, wenn viele kleine Flammen gleichzeitig brennen.