Warum man anderswo im November Kinder im Kimono zum Schrein begleitet
Wer Mitte November durch Japan reist, sieht an Shinto-Schreinen ein besonders farbenfrohes Bild. Kleine Mädchen in leuchtenden Kimonos, Jungen in weiten Faltenhosen, stolze Eltern und Großeltern mit Kameras. Es ist die Zeit von Shichi-Go-San, wörtlich »Sieben-Fünf-Drei«, einem Fest, das den Kindern und ihrem gesunden Heranwachsen gewidmet ist.
Drei besondere Lebensjahre
Gefeiert werden Kinder in einem bestimmten Alter: Mädchen mit drei und sieben Jahren, Jungen mit fünf, in manchen Familien auch mit drei. Diese Zahlen gelten in Japan traditionell als glückbringend. Der offizielle Tag ist der 15. November, doch viele Familien besuchen den Schrein an einem passenden Wochenende davor oder danach. Früher, als Kinderkrankheiten viele Leben forderten, war jedes erreichte Lebensjahr ein Grund zur Dankbarkeit. Dieser Gedanke steckt bis heute im Fest.
Der große Auftritt im Kimono
Für viele Kinder ist es das erste Mal, dass sie traditionelle Kleidung tragen. Die Mädchen bekommen oft einen Kimono mit Blütenmustern und einen kunstvoll gebundenen Gürtel, die Jungen tragen einen Hakama, eine plissierte Hose, dazu eine Jacke mit Familienwappen. Das Anziehen dauert, die Kleidung ist ungewohnt, und nicht jedes Kind hält lange still. Doch spätestens vor dem roten Torii, dem Tor zum Schrein, wird gelächelt. Fotostudios sind in diesen Wochen ausgebucht, denn die Bilder landen später in Familienalben und auf den Schränken der Großeltern.
Bonbons für ein langes Leben
Nach dem Gebet im Schrein bekommen die Kinder Chitose-ame, was sich mit »Tausend-Jahre-Bonbon« übersetzen lässt. Es sind lange, dünne Zuckerstangen in Rot und Weiß, verpackt in eine bunt bedruckte Papiertüte mit Kranichen und Schildkröten. Beide Tiere stehen in Japan für ein langes Leben. Die Stangen sind so lang, dass die Kinder sie kaum essen können, aber darum geht es auch nicht: Sie sind ein Wunsch, den man mit nach Hause trägt.
Was wir davon mitnehmen können
Bei uns gibt es Geburtstage, Einschulung und Konfirmation, doch einen Tag, an dem einfach gefeiert wird, dass ein Kind gesund und munter ein Stück gewachsen ist, kennen wir kaum. Shichi-Go-San zeigt, wie schön es sein kann, innezuhalten und Danke zu sagen, für etwas, das im Alltag selbstverständlich wirkt. Man muss dafür keinen Kimono anziehen. Ein Spaziergang mit der ganzen Familie, ein gemeinsames Foto und eine süße Kleinigkeit reichen schon, um diesen Gedanken ein wenig mitzunehmen.